James Vincent Forrestal (1892 - 1949)

Als Amerika in den Ersten Weltkrieg eintrat, war Forrestal 25 Jahre alt und hatte sich freiwillig als Matrose zur Marine gemeldet. Er wurde dann zur Fliegertruppe versetzt und nach Kanada geschickt um seine Ausbildung bei der Königlichen Fliegertruppe zu erhalten. Er graduierte, kehrte in die USA zurück und wurde zum Büro für Marineoperationen in Washington versetzt.

Im Juni 1940, als der Zweite Weltkrieg bereits ausgebrochen, aber Amerika war noch neutral war, gab Forrestal seinen Posten als Präsident bei Dillon Read & Co auf um in die "New Deal"-Regierung von Roosevelt einzutreten.

Als der Marineminister William Franklin Knox im Jahr 1944 starb, war Forrestal sein natürlicher Nachfolger und er wurde der Hauptarchitekt der massiven Marineoperationen während des Zweiten Weltkrieges.

Am 26.Juli 1947 wurde Forrestal von Präsident Truman aufgefordert, den Posten als erster Verteidigungsminister anzunehmen. Dies war fünf Wochen bevor ein Spezialkomitee Generalversammlung den Mehrheitsplan für die Teilung von Palästina unterbreitete.

Die Bedeutung von James Vincent Forrestal kann in zwei kurzen Feststellungen zusammengefaßt werden. Er war der Mann mit Entscheidungsgewalt in der Truman-Regierung, der zu sagen wagte, daß es für die Interessen von Amerika und der Freien Welt absolut notwendig sei, den Zionisten nicht zu erlauben, die US-Politik im Mittleren Osten zu bestimmen.

Wenn es je einen Mann gab, der bessere Chancen als alle anderen hatte, das Palästinaproblem aus der internen, amerikanischen Politik herauszuheben, dann war dieser Mann Forrestal.

Als führender und sehr erfolgreicher Bankier verstand er, daß die USA das Vermögen schaffen mußten um den Marschall Plan für den Wiederaufbau des vom Krieg zerstörten Westeuropa zu finanzieren, und daß der ununterbrochene Fluß von arabischem Öl zum niedrigsten Preis ein zentraler Faktor war um den Kapitalismus in Westeuropa und in Großbritannien auf die Beine zu helfen. Die Hauptinteressen des Verteidigungsministers Forrestal waren daher Öl und das Handhaben des Palästinaproblems durch die US-Regierung.

Forrestal sah die Schaffung einen jüdischen Staates gegen arabischen und breiteren islamischen Widerstand als eine Gefährdung der nationalen Interessen der USA und, in größerem Zusammenhang, eine Gefährdung ihrer Fähigkeit, ihre globalen Verpflichtungen zu erfüllen.

Forrestals strategische Ansichten wurden von Marshall geteilt, dem anderen führenden Amerikaner mit unbezweifelbarer Integrität zu dieser Zeit. Es ist daher um so erstaunlicher, daß sich Präsident Truman in der entscheidenden Stunde entschloß, den Juden nachzugeben, mit all den Konsequenzen die noch heute zu spüren sind.

Marshall präsentierte die Ansichten des Außenministeriums zur internationalen Situation in einer Kabinettssitzung am 7. November, drei Wochen vor der Abstimmung in der Generalversammlung über den Teilungsplan. In dieser Sitzung machte Forrestal die folgende Notiz. "I wiederholte meinen Vorschlag, den ich schon mehrere Male zuvor gemacht hatte, daß man versuchen sollte, das Palästinaproblem aus der amerikanischen Parteipolitik herauszuheben. Keine Gruppe in diesem Land sollte in der Lage sein, unsere Politik so zu beeinflussen, daß sie unsere eigene, nationale Sicherheit gefährdet."

Einen Tag zuvor hatte er ein unbefriedigendes Treffen mit Senator McGragh, dem nationalen Vorsitzenden der Demokratischen Partei. Niedergeschlagen von seiner ursprünglichen Reaktion, traf er ihn trotzdem drei Tage später zum Mittagessen. Forrestal zeigte ihm einen geheimen Bericht des CIA über Palästina und las dem Senator Teile daraus vor. Aber McGragh hatte auch ein Geheimnis zu enthüllen: Die Tatsache, daß jüdische Quellen einen beachtlichen Teil der Spenden zum Nationalen Komitee der Demokratischen Partei beitrugen. Viele dieser Beiträge wurden mit der ausdrücklichen Erwartung gegeben, das die Meinung der Spender zu Problemen wie der aktuellen Palästinafrage gehört und auch in Betracht gezogen würde. Dazu kam noch der Eindruck unter den Juden, daß die Vereinigten Staaten nicht all das taten was sie tun sollten um in der Vollsammlung Stimmen für die Teilung Palästinas zu werben. Die Juden erwarteten weiters, daß die Vereinigten Staaten jedes Mittel nutzen wurden um die Teilungslösung bei der Abstimmung in der UN durchzusetzen, wenn nötig auch Gewalt.

Forrestal blieb bei seiner Position und betonte, daß dies nicht nur die Araber im Mittleren Osten betraf, sondern die gesamte islamische Welt ins Spiel bringen könnte.

Später schrieb Forrestal in sein Tagebuch: "Ich hatte ein Mittagessen mit B M Baruch."

Bernard Mannes Baruch repräsentierte die wirkliche Macht, wirtschaftlich, politisch und militärisch. Forrestals kurzer aber beunruhigender Tagebucheintrag war: "Er riet mir, in dieser speziellen Angelegenheit nicht aktiv zu werden. Meine Meinung wäre bereits bekannt und wir einigten uns, daß Widerstand gegen die Politik der Vereinten Nationen in bezug auf Palästina nicht in meinem eigenen Interesse sei. Er sagte, bei einem Versuch, die Politik der Regierung zu ändern, könne die Demokratische Partei nur verlieren."

Baruch wußte natürlich, daß diese Feststellung nicht wahr war. Die Teilung war keine UN-Politik. Nur die Juden bestanden darauf, daß die Teilung bereits UN Politik war. Es war, wie Forrestal hervorhob, nur eine manipulierte Empfehlung der Generalversammlung.

Die Tatsache war, daß Forrestal dem maximalen Druck ausgesetzt wurde, der mit zivilisierten Methoden möglich ist.

Eine der größten und tragischsten Ironien der Geschichte vom Ursprung des arabisch/israelischen Konfliktes ist, das am gleichen Tag, dem 3. Februar 1948, Forrestal auch Wort erhielt, daß die Republikanische Partei bereit war, Verhandlungen mit der Demokratischen Partei zu führen, um das Palästinaproblem aus der internen US-Politik herauszunehmen.

Aber innerhalb weniger Tage wurde die Möglichkeit, das Palästinaproblem aus der amerikanischen Innenpolitik herauszuheben, abgewürgt.

Baruchs Rolle war kritisch. Er sagte zu (warnte?) Forrestal, daß es nicht in seinem eigenen Interesse sei, zu Versuchen, die Palästinafrage aus der lokalen US-Politik herauszunehmen. Damit könnte er folgendes gemeint haben: (1) daß die Juden genug Einfluß im Kongreß hatten um ihm die legislative und finanzielle Unterstützung zu entziehen, die er brauchte um das neue Verteidigungsministerium erfolgreich aufzubauen; oder (2) daß die Juden genug Einfluß in der Demokratischen Partei hatten um Forrestal aus dem Amt zu entfernen.

Die Botschaft in Baruchs Rat an Forrestal hätte nicht klarer sein können. Die Chancen der Wiederwahl der Demokratischen Partei mußten Vorrang erhalten, und das bedeutete die Aufgabe der Kampagne, Palästina aus der amerikanischen Innenpolitik herauszunehmen.

Es wurde als angenommen, daß die Kampagne, Palästina aus der amerikanischen Innenpolitik herauszunehmen, zusammenbrechen würde, wenn Forrestal neutralisiert werden konnte.

Forrestal schicke eine Abschrift einer Konversation mit  Winthrop Aldrich, dem Präsidenten der Chase National Bank in New York an Marshall. Sie bezog sich auf Verhandlungen mit der Republikanischen Partei um die Palästinafrage aus der amerikanischen Innenpolitik herauszunehmen. Daraufhin schrieb Forrestal ein Memorandum an Präsident Truman. Die revidierte, veröffentlichte Fassung der "Forrestal Tagebücher" enthält nichts über den Inhalt diese Memorandums, und es scheint, daß es dem Präsidenten niemals vorgelegt wurde.

Eine sensationelle Entwicklung, die drei Wochen später stattfand, hatte wohl alle verbleibenden Zweifel von Forrestal beseitigt, daß die Demokratische Partei vor nichts halt machen würde, um den Verlust der jüdischen Parteifinanzierung und der jüdischen Wähler zu verhindern.

Am Morgen des 26. Mai rief Marshall Forrestal mit der beunruhigenden Botschaft an, daß die Demokratisch Partei General Eisenhower als ihren Kandidaten aufstellen müsse.

Eisenhower kam aus einer armen Familie mit jüdischem Ursprung und seine akademischen Leistungen vor seinem Eintritt in die Militärakademie der Vereinigten Staaten in West Point waren eher bescheiden. Als Amerika in den Krieg eintrat, war er bloß Oberst. Aber als Deutschland am 7. Mai 1945 kapitulierte war er ein Fünfsternegeneral, der über die Köpfe von 30 erfahreneren Offizieren befördert worden war.

Er hatte eine steile Karriere, da sowohl Marshall als auch Baruch seine Fähigkeiten erkannten.

Als sich Eisenhower überreden ließ im Jahr 1952 als Präsident zu kandidieren, war dies für die Republikanische, nicht die Demokratische Partei.

Es scheint durchaus möglich, daß Eisenhower von der Beihilfe der Demokratischen Partei bei der Zerstörung von Forrestal abgestoßen worden war.

Am 31. Dezember, eine Woche nachdem Israel den Waffenstillstand gebrochen und ein Offensive zur Zerstörung der ägyptischen Armee in der Negev begonnen hatte, schrieb Forrestal in sein Tagebuch, daß er von einer unerwarteten Anforderung des Außenministeriums erfahren hätte, 6000 amerikanische Soldaten als "Schutztruppen im Jerusalem zu nutzen, angeblich um die Umsetzung des Friedensplanes von Bernadotte zu unterstützen. Mit Bitterkeit merkte er an, daß dies ein weiteres Beispiel für unangemessene politische Entscheidungen sei.

Er wiederholte auch seine seit langer Zeit vertretene Ansicht, daß Amerikas Palästinapolitik auf "schmutzigen politischen Gründen" basierte. Er beendete seinen Eintrag mit der Hoffnung, daß er eines Tages in der Lage sein würde, seine Position in dieser Angelegenheit klarzustellen. Dies deutet an, daß Forrestal, hätte er lange genug gelebt, ein Insider-Buch über die Korruption in der amerikanischen Außenpolitik geschrieben hätte, und über die Notwendigkeit sie zu beenden, so daß es den Trägern der Entscheidungsverantwortung für den  Schutz der Interessen und er Sicherheit der USA erlaubt wäre, ihre Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen auszuführen.

Forrestal trat am 28. März 1949 zurück. Im Jahr 1949 gab es bereits Gerüchte über seinen geistigen Zusammenbruch. Forrestal selbst sagte, er würde von israelischen Geheimagenten verfolgt und abgehört. Es wurde später bekannt, daß jüdische Agenten fürchteten, daß Amerika geheime Übereinkünfte mit arabischen Agenten machen könnte, und daß daher auch andere Regierungsbeamte mit ähnlichen Ansichten über Israel wie Forrestal beschattet wurden.

Er war auch Opfer einer Schmierkampagne, die der Kolumnist Drew Pearson gegen ihn durchführte. Die Kampagne versuchte, ihn als paranoid darzustellen, obwohl Paranoia nie in den offiziellen Untersuchungen seines Geisteszustandes erwähnt wurden war.

Fünf Tage nach seinem Rücktritt ging er in das Bethesda Marinehospital. Sein Zustand wurde offiziell als körperliche und geistige Erschöpfung beschrieben. Forrestal schien auf dem Weg der Erholung, als sein Körper am Morgen des 22. Mai am Dach des dritten Stockes gefunden wurde, unterhalb der Küche im 16.Stock, die am selben Korridor lag wie sein Zimmer.

Der Leichenbeschauer nannte dies wenige Stunden nach dem Tod einen Selbstmord. Die offizielle Untersuchungskommission der Marine schloß ihre Anhörungen am 31 Mai ab, verzögerte die Freigabe ihres zusammenfassenden Berichtes aber bis zum 12. Oktober. Die Ankündigung sagte nur, daß Forrestal durch den Sturz aus einem Fenster gestorben war. Sie sagte nichts über die Ursache des Falls oder über den Gürtel eines Bademantels, der um seinen Hals geknotet war. Es gab Berichte von Paranoia und von unfreiwilliger Einlieferung ins Krankenhaus, sowie Vermutungen über die Details und Umstände seines Todes, die zu verschiedene Verschwörungstheorien führten.

Weitere Zweifel wurden durch die Freigabe der Marineuntersuchung im Jahr 1004 gestreut. Einer der Unterschiede zwischen dem Bericht und den wesentlichen Biographien von Forrestal war, daß zerbrochenes Glas in Forrestals Bett gefunden worden war.

Im Jahr 1975 erzählte eine Krankenschwester, die mit unheilbarem Krebs im Sterben lag, einen Journalisten, daß sie am Tag des Selbstmordes im Krankenhaus gearbeitet hätte. Sie sah zwei Männer in Forrestals Zimmer gehen. Danach gab es eine angeregte Diskussion, und dann Stille. Die zwei Männer  gingen weg, und Minuten später wurde sein Körper gefunden, nachdem er angeblich aus dem Fenster gesprungen war.

Sprang er, oder wurde er gestoßen?

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